WIEN - Boeings Entscheidung für eine vierte 737-Generation basiert vor allem auf der enormen Nachfrage nach spritsparenden Mittelstreckenmaschinen und der Notwendigkeit rechtzeitig ein adäquates Produkt am Markt zu haben. In dem verfügbaren Zeitrahmen sei ein völlig neues Flugzeug nicht realisierbar, weder technisch noch produktionsseitig, erklärte Drew C. Magill, Boeings Marketing Director Commercial Planes gegenüber aero.at am Rande eines Luftfahrtsymposiums in Wien.
Boeings Kunden wollen die neue Maschine so schnell wie möglich, gleichzeitig aber auch in Stückzahlen, die nach einer massiven Ausweitung der Produktion verlangen. "Wir konnten in den letzten zehn Jahren die Effizienz der 737 zwar um 7 Prozent verbessern, auf Grund der Spritkosten wollen die Kunden jetzt aber mehr. Und das sehr bald. Wir verbessern laufend unser Produkt, die Frage ist nur wie schnell und wie weit das möglich ist", so Magill.
Gegenüber einem völlig neuen Flugzeug bringe eine nochmals überarbeitete Version mit den neuen CFM-LEAP 1B Triebwerken die neue Antriebstechnologie nicht nur schneller auf den Markt, sie erleichtere auch den dringend nötigen Ausbau der Produktionskapazitäten. So rechnet Boeing in dem Segment langfristig mit einer Produktion von bis zu 60 Maschinen pro Monat. "Das waren die Gründe, warum wir uns für die MAX-Version entschieden haben", erläutert Magill die wichtigsten Kriterien.
Neben dem Zeitrahmen und den darin mobilisierbaren Entwicklungs- und Produktionskapazitäten dürften bei der Entscheidung freilich auch die Entwicklungskosten eine Rolle gespielt haben. Zwar sei die Definitionsphase der Triebwerke noch nicht abgeschlossen und damit auch nicht die Modifikationen an Rumpf, Fahrwerk und Flügel, man könne aber davon ausgehen, dass die Entwicklung der MAX-Variante lediglich 10 bis 15 Prozent einer kompletten Neuentwicklung kosten wird, beruft sich Magill auf Berechnungen von Analysten: "Wir können nicht sagen, wieviele Dollar das macht, Komplexität, Risiken und Kosten sind aber nur ein Bruchteil."
Ein weiterer Aspekt sei, dass Boeing in das neue Mittelstreckenprogramm auch seine Erfahrungen mit dem 787 Programm einfließen lassen will. Dies sei ein wesentlicher Faktor bei der Bewertung neuer Entwicklungsrisiken.
© Bob Gedat und Ingo Lang, edition airside/aero.at | Abb.: The Boeing Company | 07.09.2011 13:32
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