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Sinkende Ticketsteuer entlastet Airlines kaum

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Germanwings A319 am Flughafen Wien , © Ingo Lang
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BERLIN - Den Groll der Luftfahrtmanager dürfte es nur sanft mildern: Die Ticketsteuer für Starts in Deutschland, die 2011 empfindlich auf die Bilanzen drückte, wird im neuen Jahr leicht gesenkt. Bis zum Frühsommer will die Bundesregierung dann noch einmal überprüfen, welche Auswirkungen der Milliarden-Aufschlag für den Markt hat. Die Konzerne wollen sich dabei endlich Gehör verschaffen, nachdem sie von der Einführung des neuen Kostenblocks völlig überrumpelt wurden.

Auf niedrigere Reisepreise können Passagiere indes kaum hoffen - am europäischen Himmel zieht bereits eine weitere Belastung für die Airlines auf.

Aus Sicht der Branche ist der Handlungsbedarf klar. «Die Steuer muss komplett abgeschafft werden», fordert der Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV), Ralph Beisel. «Wirtschaftlich schädlich und wettbewerbsverzerrend» sei sie, schimpft auch Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn.

Die ins Schlingern geratene deutsche Nummer Zwei befürchtet deswegen für dieses Jahr Zusatzkosten von 170 Millionen Euro und sieht sich generell übermäßig getroffen. Denn Fracht- und Umsteigeflüge, bei denen der große Rivale Lufthansa viel stärker engagiert sei, sind vom Aufschlag ausgenommen.

Dass die Airlines die Belastung nicht einfach komplett über höhere Ticketpreise an die Kunden weiterreichen können, hat sich inzwischen bestätigt. Dafür ist der Wettbewerb auf vielen Strecken zu scharf. Andererseits hat die Steuer die Nachfrage auch nicht flächendeckend einbrechen lassen. Für die 23 großen Flughäfen der Republik zeichnet sich angesichts der guten Konjunktur insgesamt sogar ein Rekordjahr ab, selbst wenn die erhoffte Marke von 200 Millionen Reisenden 2011 nicht ganz erreicht werden sollte. «Ohne Steuer wären bis zu sieben Millionen Passagiere mehr realistisch gewesen», argumentiert aber der Verband ADV.

Im Konkurrenzkampf in der Luft und am Boden verschieben sich zudem teils die Gewichte, wie das Beispiel der beiden Hauptstadt-Airports zeigt. Große Geschäftsreiseflughäfen wie Berlin-Tegel verbuchten 2011 satte Zuwächse, während kleinere Billigfliegerbastionen wie Berlin-Schönefeld Einbußen erlitten. Besonders die lange erfolgsverwöhnten Niedrigpreis-Airlines sackten ab - allerdings meist ganz gezielt. Als Reaktion auf die Steuer dünnte nicht nur Ryanair als Europas Nummer eins die Deutschland-Präsenz aus. Aus Flugplänen gestrichen wurden vor allem Ziele für kurze Städtereisen, bei denen Kunden schärfer auf den Preis schauen als bei mehrwöchigen Urlaubstrips.

Das neue Jahr erleichtert den unerwünschten Ballast zumindest ein bisschen. Das Bundesfinanzministerium, das aus der Steuer knapp eine Milliarde Euro zur Haushaltssanierung erwartet, will die Sätze zum 1. Januar reduzieren. Im Inland und für Kurzstrecken sollen künftig 7,50 Euro statt bisher 8 Euro fällig werden, zu Mittelstreckenzielen wie Ägypten 23,43 Euro statt 25 Euro und für fernere Destinationen 42,18 Euro statt 45 Euro. Durch Senkungen um einige «lächerliche» Cents für Europaflüge werden Tickets aber nicht billiger, wie Ryanair- Marketingmanagerin Henrike Schmidt konstatiert.

Hintergrund der Entlastung aus Berlin ist denn auch ein Ausgleich für eine parallele neue Belastung aus Brüssel. Zu Neujahr werden alle Fluggesellschaften, die in der EU starten und landen, in den Handel mit Verschmutzungsrechten einbezogen. Bislang gilt das schon für die Industrie. Das Ziel: Der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) soll sinken, indem die Airlines dafür zur Kasse gebeten werden.

Im ersten Jahr bekommen sie 85 Prozent der nötigen Zertifikate gratis, den Rest müssen sie ersteigern. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard rechnet dadurch mit zwei bis 12 Euro Zusatzkosten für einen Langstreckenflug. Für ein einfaches Ticket von Berlin nach Mallorca könnten es laut Umweltbundesamt 1,50 Euro sein. Neben dem Unmut der europäischen Branche drohen der EU deswegen auch handelspolitische Verwicklungen. Die USA sprechen schon von Vergeltungsmaßnahmen, und auch China, Indien und Brasilien machen Front dagegen, dass ihre Fluggesellschaften zu CO2-Mehrausgaben gezwungen werden sollen.

Wie viel die Passagiere 2012 fürs Fliegen zahlen werden, muss sich ohnehin erst zeigen. Über ihre Computer steuern die Airlines komplexe Preissysteme mit diversen Variablen, etwa nach Tag, Uhrzeit oder Auslastung. Da sind staatliche Abgaben ein Faktor unter vielen. Angesichts hoher Treibstoffkosten drehen manche Airlines auch aus eigenem Antrieb an der Schraube - und heben Kerosinzuschläge an.

© dpa | Abb.: Deutsche Lufthansa AG | 30.12.2011 09:00




Leser-Kommentare (1)

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02.01.2012 19:30

Riesensenkung der Ticketsteuer!!!!! O Gott Danke!!!! ich danke denn so weitsichtigen Politikern!!!

Man Man Man.......in der freien Wirtschaft wäre die Brut schon längst weg vom Fenster!!! aber deshalb sind sie ja Politiker....nur Müll verzapfen und dafür noch Pension bekommen.....

Gruß Turbofan


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