WIEN / ST PÖLTEN - Das Management des Flughafen Wien gerät nun auch von politischer Seite unter Druck. Wie der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll in einem Interview mit der Tageszeitung 'Der Standard' darlegte, sei der Fertigstellungstermin 2012 der im Sommer 2009 ins Stocken geratenen Terminalerweiterung Skylink ein 'neuralgisches Datum' und ein vitaler Leistungsparameter 'für alle dort handelnden Personen'.
Pröll im Standard wörtlich: "Wenn ein Vorstand oder ein Aufsichtsrat nicht korrekt und erfolgreich arbeitet, muss er damit rechnen, dass er eines Tages nicht mehr die Verantwortung wahrzunehmen hat." So hätte Pröll auch kein Verständnis für vorweg geleistete Bonuszahlungen. "Sie können maximal im Nachhinein vergeben werden"
Im Zuge der im Herbst anstehenden Landtagswahl in Wien entwickelte sich die Situation am Flughafen Wien längst zu einem hochrangigen Wahlkampfthema. Der inzwischen aus allen Fugen geratene Terminalneubau, mit einem Kostenanstieg auf mehr als das Doppelte, einer Neuausschreibung der wichtigsten Aufträge mitten im Bau und einer Überschreitung der Bautermine um inzwischen mindestens vier Jahre, führte im letzten Sommer zum Rücktritt des projektverantworlichen Vorstandmitglieds Christian Domany und zu einer Neubesetzung durch den Pröll-Vertrauten und stellvertretenden Landeshauptmann von Niederösterreich Ernest Gabmann.
Seitens des Aufsichtsrats blieb die parteiinterne Umbesetzung nicht ohne Kritik. Vorwürfe parteipolitischer Agitation führten zu massiven Auseinandersetzungen zwischen dem ebenfalls VP-nahen Aufsichtsratvorsitzenden Christoph Herbst und dem neubestellten Vorstandsmitglied Gabmann.
Landeshauptmann Erwin Pröll stellte nun offensichtlich sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat die Rute ins Fenster. Das Maß der Dinge: Die Termin und Kostentreue im Skylink-Projekt. Mit der Bestellung der konzerneigenen Projektaufsichtsfirma VIE OBA GmbH und einem Splitting der Projektverantwortung auf externe, sogenannte Teil-Totalunternehmer soll nun die Fertigstellung 2012 sowie die Einhaltung des neuen Budgetrahmens von 830 Mio EUR gewährleistet werden. Pröll machte auch keinen Hehl daraus, dass er die Beibehaltung des gegenwärtigen (SP-lastigen) Dreiervorstands nicht für notwendig hält. Ein künftiger Zweiervorstand würde auch den paritätischen Anteilsverhältnissen von jeweils 20 Prozent der Länder Wien und Niederösterreich entsprechen.
© Bob Gedat, aero.at / edition airside, Wien | Abb.: Ingo Lang, edition airside | 21.08.2010 14:05
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