Absage an EADS
Indien entscheidet sich gegen Eurofighter
PARIS - Bei der Milliarden-Ausschreibung der indischen Regierung für 126 neue Kampfflugzeuge ist eine Vorentscheidung gegen den Eurofighter gefallen. Nach Regierungsangaben aus Paris setzte sich das französische Unternehmen Dassault Aviation mit seinem Rafale-Jet im Kampf um den Auftrag durch. "Frankreich begrüßt die Entscheidung der indischen Regierung", ließ Staatschef Nicolas Sarkozy am Dienstag mitteilen.
Die abschließenden Verhandlungen sollten so schnell wie möglich zum Abschluss gebracht werden. Das Volumen des Auftrags wird auf rund 10 Milliarden Dollar (7,6 Milliarden Euro) geschätzt.
Der am Eurofighter-Konsortium beteiligte Flugzeug- und Rüstungskonzern EADS zeigte sich enttäuscht. Man habe das momentan modernste Kampfflugzeug angeboten, werde die indische Entscheidung aber respektieren, sagte ein Sprecher in München. Der Eurofighter wird unter anderem in Manching bei Ingolstadt gebaut. Die Produktion sei bis 2017 gesichert, hieß es am Dienstag.
Die indische Regierung äußerte sich zunächst nicht zur Auftragsvergabe. Das Land will seine Luftwaffen modernisieren und hatte dafür im April vergangenen Jahres aus mehreren Angeboten den Eurofighter Typhoon und die Rafale in die engere Auswahl genommen. Die ausgeschiedenen Mitbewerber waren damals die F/A-18 Super Hornet von Boeing , die F-16 von Lockheed Martin (beide USA), die russische MiG-35 von United Aircraft Corp. und die Gripen des schwedischen Herstellers Saab.
Sollte der Auftrag aus Indien unterzeichnet werden, wäre es der erste aus dem Ausland für die französische Rafale. Der Aktienkurs des Herstellers Dassault schoss am Dienstagmittag um mehr als 20 Prozent in die Höhe. Die französische Regierung hatte zwischenzeitlich schon mit dem Aus für den Kampfjet gedroht. "Wenn Dassault im Ausland keine Rafale verkauft, wird die Produktionslinie eingestellt", sagte im Dezember Verteidigungsminister Gérard Longuet.
Bisher waren alle Auftragsverhandlungen für die Rafale geplatzt, zuletzt unter anderem mit der Schweiz. Der Jet galt im Vergleich zu Konkurrenzmaschinen als teuer und nicht wartungsfreundlich. Selbst von Regierungsvertretern war die Rafale als "technisch zu anspruchsvoll" bezeichnet worden. Zuletzt hatte sie jedoch ihre Kampftauglichkeit auch in Libyen unter Beweis gestellt.
© dpa-AFX | Abb.: Eurofighter GmbH | 31.01.2012 17:38
Um einen Kommentar schreiben zu können, müssen Sie sich bei aero.de
registrieren oder
einloggen.
Ich denke das war keine gezielte Entscheidung gegen Deutschland sondern ein besonders attraktives Angebot von Dassault. Diese stehen ja unter enormen Druck Flugzeuge zu verkaufen. Wer schonmal mit Franzosen Geschäfte gemacht hat weiss das da durchaus auch neben den offiziellen Zahlen noch enorme Summen fließen.
best regards
Wenn meine Informationen nicht trügen, dann wird die Rafale von Dassault Aviation gebaut, und an der ist EADS mit über 46 Prozent beteiligt. Der Anteil von EADS am Eurofighter-Konsortium beträgt 33 Prozent. Indien hat also defacto keine Entscheidung gegen EADS getroffen, wohl aber eine gegen Deutschland.
Schade.