Ich weiß ja nicht, wie es die Brancheninsider sehen aber dem interessierten Laien drängt sich angesichts dieser Probleme der Eindruck auf, dass diese Probleme letztlich zumindest teilweise durch eine hyperökonomische Gestaltung der Produktentwicklung verursacht werden. Alles muss möglichst schnell gehen und darf möglichst wenig kosten. Dass dort Ingenieure am Werk sind, die für die Lösung der ihnen gestellten Probleme möglicherweise mehr Zeit und Geld brauchen als das die Ökonomen gern hätten wird nach meinem Eindruck angesichts ehrgeiziger Ziele gern mal aus dem Blickfeld verloren. Oder habe ich da einen komplett falschen Eindruck?
Ja und nein. Das die Ingenieure nicht die Zeit bekommen die sie gerne hätten stimmt. Andererseits kann man auch nicht unendlich testen. Konkret am A380, das Modell ist seit über 4 Jahren im Linieneinsatz bis man das Problem erkannt hat und dies hauptsächlich wegen der Reparatur in Singapur. Hätten die Testingenieure 68 Maschinen jahrelang zur Probe fliegen lassen sollen? Es bleibt immer ein Rest der sich nur im Alltag herausstellt. Er darf nur nicht sicherheitsrelevant sein.
Obwohl das Auto über 100 Jahre Entwicklung hinter sich hat kommt es auch da bei neuen Modellen immer wieder zu Serienmacken. Habe früher mal einen solchen Fehler bis zur absoluten Ratlosigkeit (permanente Startschwierigkeiten) erlebt die trotz div. Reparaturversuche in verschiedenen BMW-Werkstätten nicht behoben werden konnten. Später stellte sich dann heraus es war ein grundsätzlicher Konstruktionsfehler aber machen sie das mal als Einzelkunde gegenüber BMW geltend ohne techn. Spezialwissen. Ich habe jedenfalls ca. 2000,- DM selbst bezahlt und erst ein gelber ADAC-Engel konnte dann überhaupt erst den Weg zur endgültigen Lösung aufzeigen während in den Werkstätten trotz detaillierter Fehlerbeschreibung nur nach dem Motto verfahren wurde das tauschen wir mal vorsorglich auch wenn wir nicht Wissen warum. Das Problem werden die A380-Kunden nicht haben. Dafür wird Airbus die Schatulle aufmachen müssen.
Es ist halt nur auffaellig, dass es derart spektakulaere Probleme frueher nicht gegeben hat. Die MD-11 war auch um einige Tonnen schwerer als veranschlagt, was sie den Grossauftrag von SIA gekostet hat. Aber entweder werden solche Probleme heute von den Medien staerker aufgebauscht oder der Druck, mehr in kuerzerer Zeit praesentieren zu koennen - koste es, was es wolle - ist wirklich groesser geworden.
Der Vergleich mit der MD-11 ist nicht ganz fair. Schließlich haben die damaligen Konstrukteure die technischen Margen bei Weitem nicht ausgenutzt. Man hatte damals nicht die Erfahrung, Sprit war nicht so teuer und Fliegen eh ein Luxusgut. Die konnten und mussten sich viel höhere Sicherheitsmargen leisten. Heute kommt man so langsam an die Grenzen der Werkstofftechnik.